46 Millionen Menschen in Deutschland nutzen WhatsApp wöchentlich und 42 Millionen täglich. Es liegt also nahe, dass die Nutzung des Dienstes auch in vielen Unternehmen weitverbreitet ist. Laut einer Studie von Brabbler haben in Deutschland 49% der Beschäftigen WhatsApp auf Ihren geschäftlichen Smartphones installiert. Jeder zweite ist sich darüber im Klaren, dass die Nutzung von WhatsApp für berufliche Zwecke datenschutzrechtliche Probleme für ihren Arbeitergeber mit sich bringen kann. Dennoch haben davon 45% den Dienst auch für dienstliche Zwecke installiert.

Die Zahlen belegen den wachsenden Bedarf an Messaging Diensten in Unternehmen deutlich. Jedoch stellen Zwei Drittel der Unternehmen Ihren Mitarbeitern keine sichere Alternative für WhatsApp zur Verfügung. Spätestens nach Einführung der DSGVO sollten Unternehmen eine klare Entscheidung darüber treffen, ob die Nutzung von WhatsApp für dienstliche Zwecke weiterhin gestattet ist.

Einige Unternehmen reagierten bereits auf diese Problematik aufgrund der Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes. So hat beispielsweise der Autozulieferer Continental vor kurzem die Nutzung von WhatsApp auf Diensthandys abgeschafft. Der Dienstleistungskonzern WISAG und die Deutsche Bank verboten bereits vor einigen Jahren die interne Nutzung solcher Dienste.

Wir widmen uns daher in einer zwei-teiligen Blogreihe den Folgen der Nutzung von WhatsApp in Unternehmen, angefangen mit dem wichtigsten Punkt „Sicherheit und Datenschutz“. Im zweiten Teil lesen Sie dann über die funktionellen Nachteile für dienstliche Zwecke.

 

Sicherheit und Datenschutz

Sicherheits- und Datenschutzprobleme bringen wohl das größte Risiko mit sich. So gleicht WhatsApp regelmäßig alle auf dem Smartphone gespeicherten Kontakte ab, um zu prüfen, wer über den Dienst erreichbar ist. Alle Telefonnummern werden somit an WhatsApp weitergeleitet, unabhängig davon, ob der Inhaber der Nummer WhatsApp selbst nutzt oder nicht. Jeder Nutzer stimmt diesen Nutzungsbedingungen während der Installation zu. Doch wie hoch ist der Anteil derer, die sie von A-Z durchlesen und was ist mit den Inhabern der Telefonnummern, die selbst kein WhatsApp nutzen?

Das Amtsgereicht Bad Hersfeld hat vor einiger Zeit in einem Beschluss entschieden, dass die Einwilligung aller Kontakte zur Nutzung des Dienstes und der damit verbundenen Datenweitergabe eingeholt werden muss. Hier liegt eine weitere Problematik. Zum einen werden personenbezogene Daten ohne ausdrückliche Genehmigung des Dritten gegenüber dem Dienst erhoben, gespeichert und verwertet. Und zum anderen macht WhatsApp seine Nutzer, mittels der Zustimmung der Nutzungsbedingungen, für die Weitergabe von personenbezogenen Daten von Dritten verantwortlich.

Seit einiger Zeit besteht in Smartphone Einstellungen die Option, WhatsApp den Zugriff auf die Kontakte zu untersagen. Was passiert jedoch mit den Daten, die bereits vorher verwendet wurden? Was passiert, wenn ein Handy an einen neuen Mitarbeiter übergeben wird, ohne die alten WhatsApp-Kontaktdaten zu löschen? Und was ist, wenn ein Kollege die Option nicht ablehnt, um WhatsApp für seine privaten Kontakte zu nutzen?

Daneben bewilligt der Nutzer WhatsApp in den Nutzungsbedingungen, verschickte oder empfangene Informationen (einschließlich der Inhalte) nutzen zu dürfen.

„Damit wir unsere Dienste betreiben und bereitstellen können, gewährst du WhatsApp eine weltweite, nicht-exklusive, gebührenfreie, unterlizenzierbare und übertragbare Lizenz zur Nutzung, Reproduktion, Verbreitung, Erstellung abgeleiteter Werke, Darstellung und Aufführung der Informationen (einschließlich der Inhalte), die du auf bzw. über unsere/n Dienste/n hochlädst, übermittelst, speicherst, sendest oder empfängst.“  – AGBs WhatsApp

So kann sich beispielsweise ein Handwerker datenschutzrechtlich inkorrekt verhalten, wenn er Fotos von zu reparierenden Stellen einer Privatwohnung eines Kunden macht und diese an den Meister im Betrieb zur Beratung schickt.

Trotz der DSGVO tauscht WhatsApp auch in Europa Daten seiner Benutzer mit der Muttergesellschaft Facebook aus. Wie verschlüsselt diese Daten sind, ist fraglich, da beide Dienste natürlich mit personalisierten Anzeigen Geld verdienen möchten.

Hinzu kommt, dass WhatsApp und Facebook dem US-Amerikanischem Recht unterliegen. Laut des Patriot Acts können US-Behörden beide Dienste ohne richterlichen Beschluss auffordern, personenbezogenen Daten freizugeben. Dieses bedeutet, dass verschlüsselte Daten entschlüsselt werden müssen.

Zu guter Letzt sollten Unternehmen, neben Kriterien wie Sicherheit und Datenschutz, auch funktionelle Aspekte berücksichtigen. Auch wenn der Bedarf nach Messaging Diensten innerhalb von Unternehmen steigt – eine zufriedenstellende Lösung für geschäftliche Prozesse ist durch die Nutzung der privaten Messenger nicht garantiert. In der zweiten Blog Reihe gehen wir daher tiefer auf die funktionellen Herausforderungen von WhatsApp und Co. ein.

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